Panoramablick über Palmen über den Atlantik im Parque de los Lavaderos; Bild: Roland Strobl

Mirador El Parque de Los Lavaderos

Begegnungen mit Elefantenohren, Wasserbrotwurzeln und Wolfsmilch

Aus dem ehemaligen Waschplatz der Gemeinde El Sauzal wurde ein wundervoller Park mit prachtvoller subtropischer Flora und schönen Ausblicken.

Bis ins 20. Jahrhundert wurde an diesem Steilhang noch Wäsche gewaschen. Das Wasser verdankte man einem unterirdischen, natürlichen Wasserlauf, der an diesem Ort aus dem Erdreich hervortrat. Die Quelle beförderte stündlich zwischen 25 bis 50 Kubikmeter Wasser an die Oberfläche und formte kleine Teiche, die von der Bevölkerung als natürliche Waschplätze genutzt wurden. Daher rührt auch der Name des heutigen Parks, denn auf Spanisch heißt Waschplatz „lavadero“, und Los Lavaderos ist die Ansammlung von Waschplätzen. Dank der beeindruckenden Ausblicke ist der Park zurecht auch ein Mirador.

Historische Aufnahme des Waschplatzes Los Lavaderos in El Sauzal; Foto: Ayuntamiento El Sauzal
Bildquelle: Ayuntamiento El Sauzal

Erst im Jahr 1987 wandelte die Gemeinde den öffentlichen Waschplatz zusammen mit rund 8.000 Quadratmetern des angrenzenden Gebietes zu einem Park um. Der obere Eingang befindet sich 200 Meter über dem Meeresspiegel und das steile Gelände weist einen Höhenunterschied von gut 100 Metern auf. Für die Landschaftsgärtner war das eine gestalterische Herausforderung, die sehr ansprechend gelöst wurde. Der Besucher wird über schön verlegte Natursteintreppen und Steinplatten geleitet und genießt schon beim Hinabsteigen schöne Ausblicke auf die Felsenküste unterhalb des Parks, entlang der Nordküste sowie nach Süden auf Puerto de la Cruz. Geradeaus blickt man gen Westen, auf das offene Meer des Atlantiks, wo die Sonne untergeht und bei besonders klarer Sicht kann man die Nachbarinsel La Palma sehen. Das im Park befindliche Café sowie viele ruhige Plätze und Terrassen laden zum Verweilen und Träumen ein.

Der Parque Los Lavaderos ist ein botanischer Garten

Los Lavaderos ist auch ein kleiner botanischer Garten. Die endemische Kanaren – Flora wurde mit Pflanzen der Tropen und Subtropen aus anderen Teilen der Welt kombiniert und bildet eine zu jeder Jahreszeit blühende, grün-bunte Kulisse. Diese kontrastiert das intensive Himmelsblau des Horizonts und des Ozeans. Dieses Farbspektakel präsentierte sich mir bei meinem Besuch an einem Spätnachmittag im Februar 2020.

Das Natursymbol Teneriffas: die kanarische Dattelpalme

Schon beim Betreten des Parks begegnen wir einem Natursymbol Teneriffas – der kanarischen Dattelpalme (Phoenix Canariensis). Diese Gattung gehört zu der Familie der Palmengewächse (Arecaceae) und ist endemisch auf den Kanarischen Inseln. Diese Palme ist robust, pflegeleicht, wächst schnell und ist deshalb überall dort, wo die Temperaturen der wenig frostresistenten Palme zulassen, preisgünstig zu kultivieren. Alles Aspekte, die sie in öffentlichen Gartenanlagen zur weltweit meist gepflanzten Palmenart machen. Die Palme blüht von Februar bis Juni. Die dunkelbraunen, nur wenig fleischigen Datteln sind 1,5 bis 2,5 cm lang und haben einen Durchmesser von etwa 1,2 cm. Sie sind prinzipiell essbar, werden jedoch nur als Futter für Schweine und Ziegen genutzt. Dafür gewinnt man aus der kanarischen Dattelpalme einen Palmhonig (miel de palma). Nach EU – Recht darf dieser jedoch nicht als „Honig“ in der Europäischen Union vermarktet werden, weil gemäß der dort geltenden Klassifikation nur von Bienen produzierter Honig als solcher bezeichnet werden darf.

Kanarische Dattelpalme; Foto: Roland Strobl

Wie wird Palmhonig gewonnen? Was ist Guarapo?

Sehr interessant ist die traditionelle Gewinnung des Palmhonigs, wie er insbesondere auf La Gomera betrieben wird, wo sich die meisten Dattelpalmen finden. Der Palmhonig ist ein bereits verarbeitetes Produkt des eigentlichen Palmsaftes, der im spanischen Guarapo heißt und sich in diesem Kontext auf den Saft der Dattelpalme bezieht. Denn in Südamerika spricht man ebenfalls von Guarapo, gemeint ist dort jedoch der frische, süße Saft aus gepresstem Zuckerrohr, den man gerne frisch trinkt.

Um den Guarapo zu gewinnen, wird die Palme von oben angezapft. Ein Erntehelfer, der so genannte Guarapero steigt dafür auf die bis zu 10-12 m hohen Palmen und entfernt die Dornen und jungen Palmwedel von der Krone, um das Palmherz freizulegen. Jeden Abend wird dann sukzessive eine dünne Schicht Holz entfernt, damit der Guarapo herausfließen (ausbluten) kann. Der Saft wird über einen Rohrstock abgeleitet und in Eimern aufgefangen. Die Ernte erfolgt über Nacht, weil der Guarapo lichtempfindlich ist. Bei Sonnenaufgang wird er gefiltert und gereinigt und anschließend einige Stunden lang geköchelt und so zu einem sirupartigen „Honig“ (miel de palma) eingedickt. In einer Nacht fließen zwischen 8- 15 Liter aus der Palme. Aus 8 Litern Saft gewinnt man einen Liter Palmhonig. Die Ernte erfolgt im Zeitraum von Frühling bis Sommer.

Geschmacklich soll der pure Palmhonig wie eine fruchtige Mischung aus Karamell und Lakritz schmecken (ich selbst habe bisher noch keinen probiert). Auch holzig-nussige Aromen werden erwähnt. Palmhonig wurde bereits von den Guanchen, den Ureinwohnern gewonnen. Heutzutage ist er beliebt bei Veganern als Ersatz für Bienenhonig.Die meisten Dattelpalmen befinden sich nicht auf La Palma, wie der Name (suggeriert, sondern auf La Gomera (geschätzt über 100.000 Stück). Die Inselverwaltung hat die Palme zum Wahrzeichen erklärt und unter besonderen Schutz gestellt. (Die Palmwedel werden zur Herstellung von Besen, Matten, Körbe und Decken verwendet.

Wer noch mehr über die Ernte des Palmhonigs erfahren möchte, dem empfehle ich die spanische Dokumentation La Bebida de los Dioses – Miel de palma . Die ausführliche Dokumentation berichtet über den Ursprung und Verwendung der Dattelpalme auf La Gomera. 

Blick auf einen Baumstrunk und Himmel über Atlantik
Linker Hand befindet sich ein überdachter Teich, der früher ein Waschplatz war. An Gelände und Historie angepasst haben die Landschaftsplaner hier einen kühlen Ort geschaffen. An einem späten Nachmittag spielen die Sonnenstrahlen mit Licht und Schatten. Es ist angenehm warm.
Der Waschplatz mit Palmen im Parques Los Lavaderos; Foto: Roland Strobl

An dieser Stelle begegnen wir den Elefantenohren. Bei dieser großblättrigen Pflanze handelt es sich botanisch um die Colocasia Esculenta, die auf Deutsch als Wasserbrotwurzel bekannt ist und in heimischen Gefilden in Gartenmärkten oder spezialisierten Fachmärkten als Zierpflanze angeboten wird. In Fachkreisen heißt die Pflanze Taro.

Die Elefantenohren am Waschplatz von Los Lavaderos

Eine Wasserbrotwurzel auch als Taro bezeichnet am Waschplatz ; Bild: Roland Strobl

Ursprünglich stammt die Sumpfpflanze aus Südostasien und gelangte bereits in der Antike nach China und Japan, mit Handelskarawanen dann in den Mittelmeerraum. Die Spanier brachten sie später in die “Neue Welt“. Seitdem hat sie sich in allen tropischen Gebieten der Welt eingebürgert. Der umgangssprachliche Name Wasserbrotwurzel deutet den Verwendungszweck der Pflanze bereits an: Sie ist eßbar. International ist die Pflanze unter dem Namen Taro (bekannt. Sie ist eine Nahrungspflanze und gehört wie Maniok, Batate und Yam zu den stärkespeichernden tropischen Knollenfrüchten (Stärkeanteil 15 – 26 %). Am ehesten ist Taro mit Yams vergleichbar. eine der ältesten Nutzpflanzen, die in vielen afrikanischen, ozeanischen und indischen Kulturen als Grundnahrungsmittel dient.

Die zylindrische oder runde Hauptknolle der Pflanze kann ein Gewicht von bis zu 4 kg auf die Waage bringen. Sie erinnert ein wenig an eine übergroße Sellerieknolle. An der Hauptknolle wachsen mehrere kleine Tochterknollen. Die erdfarbene bis rötlich-violette Taroknolle hat im Inneren je nach Sorte weißes bis weiß-rot-marmoriertes Fruchtfleisch. Die Stiele der Blätter entspringen direkt aus der Knolle. Die Pflanze kann in ihrer tropischen Heimat bis 2 m hoch werden. 

Wir gehen weiter durch ein mit steinernem Rundbogen gewölbtes Eisentor. Kunstvoll verlegte steinerne Bodenplatten ebnen den Weg. Zusammen mit einer angrenzenden Steinmauer formen kanarische Kiefern ein schattenspendendes Spalier. Der Weg endet auf einer kleinen Hochterrasse, die uns einen wundervollen Blick auf das Meer und den blauen Himmel bietet.

Eingang durch eines Steinmauer mit einem Eisentor; Foto: Roland Strobl

Die Cafeteria El Delei de té

Ausblick im Parque Los Lavaderos El Sauzal; Foto: Roland Strobl

 

Von hier aus kann man wieder ein paar Treppenstufen hinaufsteigen zur Cafetería El Delei Té, von wo aus man den Sonnenuntergang bei Süßspeisen mir Kaffee oder einem Drink genießen kann. Alternativ (kann man dem Weg weiter den Hang hinunter bis zum Ausgang am unteren Ende des Parks folgen.

 

Prachtvolle Kanarenflora

Längs des Wegs begegnen wir dem intensiv rot blühendem Hibiskus, der überall auf der Insel heimisch ist. In Deutschland ist er bekannt als Eibisch und zählt zur Pflanzengattung der Familie der Malvengewächse (Malvaceae), die überwiegend in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde verbreitet ist und ursprünglich aus Asien stammt.

Am Wegesrand sehen wir eine intensiv gelb blühende Pflanze, die ebenfalls endemisch auf den Kanarischen Inseln ist: Die Aeonium arboreum aus der Gattung Aeonium der Familie der Dickblattgewächse. Auf Spanisch heißt sie bejeque und ist so weit verbreitet, dass man sagt, kein kanarisches Haus sei komplett ohne diese Pflanze. Das Aeonium gibt es bei in Deutschland als Zierpflanze zu kaufen.
Ein gelbe Aeonium im Spanischen Bejeque genannt

Kakteen oder Sukkulenten?

Wir folgen den Treppen hinab. Der gestaltete Garten endet hier und geht über in die freie Natur. Links und rechts ist der Hang verwildert und wir sehen die unterschiedlichsten Büsche, Sträucher und Sukkulenten der kanarischen Flora. Ein Exemplar fällt dabei besonders auf: Die Kanaren-Wolfsmilch (Euphorbia canariensis) (span. „cardón“) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wolfsmilch (Euphorbia) der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Sie ist endemisch auf den Kanarischen Inseln und ein charakteristisches Element der Sukkulentenbusch – Zone der Kanaren. Es ist das Natursymbol von Gran Canaria.

Die Wolfsmilch eine Sukkulente

El Sauzal – Urbanización Los Angeles

Eine lohnenswerte Verlängerung des Spaziergangs führt uns aus dem Park hinaus auf eine asphaltierte Straße, die Teil der Urbanizacion Los Angeles ist, einem schönen und gehobenen Ortsteil von El Sauzal mit ansprechenden Häusern und vielfältig und sorgsam gestalteten Gärten. Man kann sich nicht verlaufen, denn die Straße endet als Sackgasse ohne direkten Zugang zum Meer. Wenn man sich auf dem Weg zurück links hält, begegnet man vor einem der Häuser einem riesigen Exemplar des Baum der Reisenden (Ravenala madagascariensis). Botaniker haben diesen als die einzige Pflanzenart der Gattung Ravenala aus der Familie der Strelitziengewächse (Strelitziaceae) klassifiziert. Die Art ist auf Madagaskar endemisch, heute aber als Zierpflanze in den Tropen weit verbreitet.

Ein Baum der Reisenden vor blauem Himmel

Für mich ist es nun an der Zeit, wieder Bergauf zu gehen. Ich kehre in die Cafeteria Delia té ein, um ganz in Ruhe aufs Meer zu schauen und den Sonnenuntergang bei einem Bier zu genießen. Weitere gastronomische Empfehlung: Las Terrazas de El Sauzal.

Blick von der Terasse der Cafeteria Delei té