Blick vom Berg über das Dach des Semaforo de Igueste auf die AIDA vor Anker

El Semafóro de Igueste: Signalstation in Not

Wozu diente der Semaforo?

Der Semáforo de Igueste diente als Signalstation für die Hafenbehörde von Santa Cruz. Sie sollte frühzeitig die Aktivitäten des Schiffsverkehrs im Gebiet signalisieren. Dies geschah zu Beginn des Betriebs mit einem System von Flaggen, die an dem 16 Meter hohen Masten gehisst wurden. Die Flaggen signalisierten der Hafenbehörde ob es sich um ein Postschiff, ein Handelsschiff,, ein Kriegsschiff oder Schmuggler aus Afrika handelte. Der Kurs des Schiffs und die Nationalität wurden ebenfalls übermittelt. In der Nacht wurden die Informationen mit Hilfe von Lichtern signalisiert. Mit Erfindung des Morsecodes wurden die Flaggen zunächst durch den Telegraphen und in den 1950er Jahren durch das Telefon ersetzt.
Die Signalstation wurde am 20. November 1886 in Betrieb genommen und arbeitete durchgehend bis 1971. Im Jahre 1979 wurde sie endgültig stillgelegt. Die Finanzierung des Baus des Semáforos erfolgte durch die britische Kohlenschifffahrtsgesellschaft Hamilton & Co., die sehr viele Aktivitäten auf der Insel unterhielt. Der Bau der Anlage war ein besonderer Kraftakt, denn alle Materialien und selbst das Wasser zum anrichten von Zement mussten den Berg hinauf geschleppt werden. Mit Eseln und Pferden wurde das Baumaterial auf dem schmalen Pfad transportiert. Wer den Weg selber geht kann sich vorstellen, wie mühsam das war.

Der Semaforo zählt zum industriellen Erbe Teneriffas

Der Semaforo arbeitete rund um die Uhr

Der Semáforo wurde im Schichtbetrieb von 3 Signalisten betrieben. Diese wohnten mit ihren Familien im Gebäude. Das Leben in dieser Abgeschiedenheit war eine Herausforderung: Die Kinder hatten einen langen Fußmarsch um zur Schule in Igueste zu gelangen. Das Gleiche galt für die Versorgung mit Lebensmittel und allen sonstigen Bedürfnissen für den Aufenthalt an diesem abgelegenen Ort. In Anbetracht dieser Umstände war es wohl besonders wichtig, dass man nichts vergaß, was auf der Einkaufsliste stand. Der Komfort im Alltag war daher bescheiden.  Und natürlich gab es auch keinen Wasseranschluss. Zwei große Zisternen, die von Regenwasser gespeist wurden dienten der Versorgung. Ob das wohl ausreichte? 

März 2021 ankerten acht Kreuzfahrtschiffe vor Santa Cruz darunter zwei Mein Schiff sowie die AIDA. 

Die architektonisch bedeutsame Anlage verfällt zusehends

Das Gebäude überrascht mit einem architektonisch ansprechenden Stil. Hohe Rundbogen bilden Eingangstüren und viele große Fenster sorgen für viel Licht im Gebäude. Die Hauswände und Kanten des Gebäudes sowie die tragenden Elemente der Decken wurden mit großen, roten Blöcken abgesetzt, was dem Gebäude einen durchaus städtischen Eindruck vermittelt. Für die Bewohner war es bestimmt etwas besonderes in dieser exponierten Lage zu wohnen. Wenn man das Gebäude in seinem heutigen Zustand des Verfalls betrachtet tut es einem Leid. Innen ist der Putz abgebrochen und Teile des Mauerwerks sind wegen Korrosion der eisernen Stützbalken eingefallen. Im Grunde ist es gemeingefährlich sich innen aufzuhalten. Vor Jahren wurde das Gebäude im vorderen Teil zugemauert und mit Stützbalken immerhin so abgesichert, dass es nicht gänzlich in sich zusammenfällt. Ob die Stützbalken das Dach dauerhaft halten werden ist zweifelhaft. 

Da das Gebäude keinen Zweck mehr erfüllt besteht kein Interesse es zu unterhalten..Eine andere wirtschaftliche oder touristische Nutzung ist in Anbetracht der Lage und fehlenden Infrastruktur schwierig. Eine Sanierung würde viel Geld kosten. Wie sollte das erwirtschaftet werden?

Es gab immer wieder Aufrufe, die Anlage vor dem Verfall zu bewahren. Seit November 2015 ist das Gebäude in die rote Liste des gefährdeten Erbes aufgenommen, die von der Hispania Nostra Association erstellt wurde. Die Kriterien für die Aufnahme in die Liste basieren auf der historischen und architektonischen Bedeutung des kulturellen Gehalts, dem Zustand, in dem es sich befindet, und dem Risiko das es für immer verschwindet. Seit 2021 befindet sich der Semáforo auch im Inventar des industriellen Erbes von Teneriffa. Dieses Verzeichnis wurde von Amara Florido Castro erstellt, einer Expertin für Kunstgeschichte. Der Blog SEMÁFORO DE LA ATALAYA informiert über den aktuellen Stand und hoffentlich positiven Entwicklung dieses beeindruckenden Anlage.

Der Besuch der Anlage ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Blick in das verfallene Gebäude Semaforo Igueste
Stützpfeiler im verfallenden Gebäude des Semaforo de Igueste
Blick in das verfallene Gebäude Semaforo Igueste

Lost Places: Der Semaforo Igueste

Wie kommt man zum Semaforo de Igueste?

Ein rote Lavasteinweg führt den Berg hinauf
Eine rote Lavasteinwand in der sich der Einschluss einer anderen Gesteinsschicht befindet
Von Santa Cruz aus fährt man bis zum Strand von Las Teresitas und biegt dort an der letzten Abzweigung anstelle zum Strand hinab, links hinauf auf die TF 121 und folgt dieser kurvenreichen Strasse für 7 Km. Im Ort ist es eng und es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Parkmöglichkeiten am Strassenrand. Zum Wanderweg gelangt man, wenn man durch das Dorf in Richtung Friedhof läuft. Auf dem Weg dorthin gibt es eine Beschilderung, die einem den Weg weist. Der Pfad führt über rötliches Lavagestein zunächst stetig bergauf. Am Scheitelpunkt geht es dann wieder 400 Meter bergab bis zur Station. Der Aufstieg für die rund 2,5 Km dauert ca. 1- 1,5 h. Der Weg ist nicht schwierig und für fast alle Altersklassen machbar. Wie immer gilt es, gutes Schuhwerk zu nutzen und Wasser mitnehmen.

Der Weg von Las Teresitas nach Igueste

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