Die Sonne geht hinter einem riesigen Felsen auf und wirft Licht auf den Bergrücken. Eine erleuchtete Palme im Vordergrund

Hurra! Die Masca Schlucht ist wieder geöffnet

Masca Schlucht mit neuem Besucherkonzept in 2021

Nach mehr als drei Jahren ist die Masca Schlucht wieder geöffnet. Während dieser Zeit wurde der beliebteste Wanderweg im Teno Gebirge gründlich reformiert. Etliche Seitenwege in der Schlucht sind nun gesperrt. An vielen Stellen wurde der Weg mit Befestigungen versehen. Überwiegend sind dies Stahlketten und Seile, die zum festhalten dienen oder verhindern sollen, dass Besucher abseits des Wegs laufen. Kleine gelbe Tafeln mit Nummerierungen wurden am Wegesrand angebracht. Die Tafeln informieren über die Entfernung zum Ausgangspunkt in Masca und dienen dem Besucherzentrum dazu, Hilfskräfte schneller und gezielter an den Ort zu senden, wo Hilfe benötigt wird. Die Sicherheit der Besucher ist äußerstes Gebot, weshalb alle Besucher auch einen Helm tragen sollen. Parkwächter sind am Eingang der Schlucht, in der Mitte und am Meeresufer positioniert und sollen für mehr Sicherheit (und Kontrolle) sorgen. Meiner Ansicht nach wurde dabei teilweise übertrieben und durch die vielen sichtbaren Eingriffe in die Natur geht immer ein Stück Ursprünglichkeit verloren. Verständlicherweise muss die lokale Verwaltung eine Abwägung zwischen der Vermarktung des Naturschauspiels und gestiegener Sicherheitsansprüche seitens der Besucher abwägen. Ich bräuchte keine der Befestigungen und Ketten, die gespannt wurden. Aber es gibt viele unterschiedliche Besucher.
Masca Schlucht. Palmen werden von der aufgehenden Sonne beleuchtet. Stimmungsbild
Masca Schlucht. Ein steil aufragender Felsen iin der Schlucht

Wir hatten Glück mit unserer zugeteilten Startzeit um 09:00. Um diese Zeit steht die Sonne noch tief und so fährt man im Guagua von Santiago del Teide aus (Abfahrt 08:15) auf der schmalen Bergstraße über den Wolken. Toll, wie die Wolken Gebirge und Meer verdecken. Nur die Höhen des Gebirges und die Bergzacken ragen heraus. Der Himmel ist leicht bläulich und die grelle Sonne blendet. Die weißen Wolken sehen so fluffig und leicht aus, dass man sich gerne darauf legen würde. 

Von der Bushaltestelle traben wir mit den anderen Besuchern hinab zum Besucherzentrum. Ein Bewohner Mascas weist uns freundlich den Weg. Nach der Einweisung (15 Minuten) und Übergabe der Helme geht es vom Besucherzentrum weiter hinunter bis zum Eingang der Schlucht, wo wir von einem Parkwächter empfangen werden. Irgendwie klingt Park Ranger besser als Parkwächter. Der junge Mann ist ja sehr freundlich und ich interviewe ihn zur Wiedereröffnung und Besucherkonzept.
Und dann sind wir nur zur Zweit alleine im barranco. Keine Geplapper anderer Besucher verursacht Störungen. Und so fällt uns als erstes das gezwitschere der Singvögel auf. Der barranco ist ein wahres Paradies für die vielen unterschiedlichen Arten. Lautstark und unermüdlich trällern sie ihre Lieder in die Natur. Wir blicken hinauf nach Masca und sehen die Sonne vom Osten aus ganz langsam die Landschaft erleuchten. Es ist ein schönes Wechselspiel aus Licht und Farben. Der bisher tiefblaue Himmel wird langsam heller und das dunkle grün der Palmen und Agaven wird lichter. Dunkelheit weicht Licht und die Schatten verschwinden allmählich. Und endlich beginnt die Sonne uns zu wärmen. Und darüber sind wir froh.

Wir gehen Meter für Meter hinab, tiefer hinein in die Schlucht. Der barranco von Masca ist wie andere Einschnitte im Teno Gebirge durch Erdrutsche entstanden. Wir befinden uns in einem aufgerissenen Bergmassiv aus Lava. So offenbart der Riß im Gestein Einblicke in die Tiefen diverser Lavaschichten, die zu skurrilen Gesteinsformationen geführt haben. An vielen Stellen bleibt man mit offenem Mund staunend stehen, um sich der Faszination des Naturschauspiels hinzugeben. Mehrere hundert Meter steil aufragende Felswände schillern von dunkelgrün über grau bis schwarz. Weiße Wolken verdecken immer wieder den strahlend blauen Himmel und sorgen dadurch für ein Wechselspiel aus Licht und Farben. Immens große Gesteinsbrocken liegen spitz auf spitz übereinander und man hofft, dass sie in diesem Gleichgewicht verbleiben und uns nicht ausgerechnet heute auf den Kopf fallen. 

Wir bleiben immer wieder stehen um uns 360 Grad zu drehen, um die wild aufragenden Steinwände mit den riesigen Höhlen und Aussparungen im Fels zu bestaunen. Wir lassen uns Zeit und halten Abstand zu den anderen Besuchern, um die Stille und Naturgeräusche wahrzunehmen. Es ist wirklich angenehm, dass sich jetzt keine Massen bewegen. Wir hören es an einer kleinen Gruppe kanarischer Bewohner. Es wird ständig gesprochen. Es scheint schwierig zu sein, einfach mal still zu sein. Nach rund 3 Stunden sind wir unten. Wir machen Rast und essen unsere Brote. Der Pier ist überschaubar mit Wanderern belegt. Drei Canarios, die mit Jet Skiern angelegt haben sind auch dabei. Das geht also auch. 

Ich freue mich auf die Abkühlung und springe vom Pier ins Meer. Olivia macht derweil eine Siesta. Als wir aufbrechen ist es bereits nach 13:00. Wir wollen den Bus um 16:15 erwischen und so ziehen wir das Tempo an. Dass man die Schlucht wieder hinauf laufen muss, ist auch ein Vorteil, denn so sieht man die Schlucht nochmals aus einer anderen Perspektive. Man läuft nun den steilen Bergwänden entgegen und aus der Schlucht hinauf (750 Höhenmeter). Das letzte Stück ist dann doch anstrengend. Sehr steil und wir sind nun auch müde geworden. Am Eingang geben wir die Helme ab und zeitlich reicht es noch für ein kühles Bier am Dorfplatz. Zur Rückfahrt nach Santiago findet sich unten noch Informationen und Anmerkungen.

Meine Meinung: Für mich ist die Masca Schlucht auf Teneriffa ein Top Highlite. Wer das Glück hat, ein Ticket zu ergattern, sollte die Tour unbedingt machen.

Die bedeutendste Veränderung ist die Reglementierung der Anzahl von Besuchern. Seit vielen Jahren wurde der Massentourismus in der Bevölkerung beklagt. Unzählige Autos drängelten sich auf der spektakulären und sehr engen Bergstraße TF 436 von Santiago del Teide oder von Buenavista del Norte aus nach Masca. Dazu kamen die vielen organisierten Gruppenausflüge, die Touristen vor allem aus den touristischen Hochburgen des Südens nach Masca beförderten. 

In 2015 waren es ca. 3.000 Besucher täglich, die sich auf den teilweise beschwerlichen Weg machten, um die 750 Höhenmeter hinabzusteigen. Interessanterweise wanderten ”nur” 10% die gesamte Strecke bis hinab ans Meer. Damit summierte sich die Besucherzahl in der Schlucht auf 100.000 Menschen pro Jahr! Ein weiteres Problem war die Sicherheit des Wanderwegs und die Unvorsichtigkeit von Besuchern, die sich mit Flip-Flops und ungenügenden Wasservorrat auf den Weg machten. 

Diejenigen die in eine Notlage gerieten sorgten für zahlreiche Rettungsaktionen per Helikopter. Die Inselverwaltung und die umliegenden Gemeinden wollten deshalb eine Veränderung. Eine Lösung musste her. Das Cabildo de Tenerife hat deshalb gemeinsam mit den Gemeinden Santiago del Teide und Buenavista del Norte das neue Konzept entwickelt, das sich aktuell in einer Pilotphase befindet. Man will aus den Erkenntnissen lernen und weitere Anpassungen vornehmen sofern dies notwendig sein sollte.

 

  • Die Begehung der Schlucht ist während der Pilotphase nur an den Wochenenden sowie an Feiertagen möglich.
  • Ausgangspunkt ist immer das Besucherzentrum in Masca
  • Man muss Abstieg und Aufstieg machen
  • Kein Bootsverkehr am Ende der Schlucht
  • Öffnungszeiten im Sommer (gilt ab der Zeitumstellung im März bis zur Zeitumstellung im Oktober):
  • Von 08:30 bis 11:00 Uhr (25 Plätze alle 30 Minuten)
  • Öffnungszeiten im Rest des Jahres (gilt ab der Zeitumstellung im Oktober bis zur Zeitumstellung im März):
  • Von 08:30 bis 10:30 Uhr (25 Plätze alle 30 Minuten)
 
Innenraum des Besucherzentrums von Masca. Besucher stehen vor dem Parkverwalter
Während der Pilotphase ist der Eintritt gratis. Wir hatten Glück und ergatterten unsere Tour für den 10. April um 09:00. Im regulären Betrieb bezahlen die Einwohner der Kanaren 8 Euro und alle Nicht-Ansässigen 16 Euro. Die Reservierung ist online möglich. Der Kauf vor Ort ist aufgrund der Begrenzung keine Option mehr.
Einfache Rechnung: 6 Gruppen zu je 25 Besucher sind 150 pro Tag. Aber: 50% aller verfügbaren Tickets werden an touristische Agenturen vergeben! Das bedeutet, dass bei 150 Besuchern täglich nur 75 im freien Verkauf sein werden. Und das bedeutet auch, dass nun “nur” noch ein Drittel der bisherigen Besucherzahl also maximal 54.750 Besucher pro Jahr die Gelegenheit haben werden, die Schlucht persönlich kennenzulernen.

Ausführliche Informationen und die Online Buchung des Eintritts zur Masca Schlucht finden sich auf der Website der Parkverwaltung camino del barranco de Masca

Auch hier gibt es eine größer Veränderung. Die Parkverwaltung will verständlicherweise den Individualverkehr eindämmen. Die wenigen Parkplätze an der Hauptstrasse sind nun zeitlich auf eine Parkdauer von zwei Stunden begrenzt. Danach wirds teuer. Besucher und Wanderer von Masca sollten deshalb mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Guaguas) des Verkehrsunternehmens Titza anreisen. 

Denkt daran, dass man Bustickets nicht in bar bezahlen kann! Besorgt euch vorher die Ten + Karte der Busgesellschaft Titza, die es an vielen Verkaufsstellen, wie z.B. in Multtiendas, am Busbahnhof, am Flughafen gibt. Die Karte kostet 2 € und kann dann mit Beträgen von 5 € bis 100 € aufgeladen werden. Alternativ dazu gibt es auch ein App. 

Die Fahrt von Santiago del Teide nach Masca kostet € 1.45. Man kann mit einer Karte für mehrere Gäste zahlen. Sagt das dem Busfahrer und er bucht es entsprechend ab. Von Santiago fährt der Bus Nr. 365 unterhalb des Touristeninformation nach Masca. Von Buenavista del Norte ist es die Nr. 355 Die Fahrtzeiten, Wegstrecken und Verbindungen findet man am einfachsten über Google Maps. Das ist wirklich prima gemacht und die Zeiten sind sehr verlässlich. Das heißt auch, dass die Busse nicht auf einen warten. 

Und hier kommt leider der erste Wermutstropfen. Unsere Anfahrt hat noch gut geklappt. Um 08:15 war der Bus nicht voll besetzt. Auf der Rückreise sah das ganz anders aus. Auf 26 verfügbare Sitzplätze kamen doppelt so viele Wanderer. Die Abfahrt war um 16:15 und danach erst wieder um 17:45. Wir erwischten die allerletzten Plätze und durften mitfahren. Die anderen mussten ein Taxi nehmen. Hier hat die Besucherverwaltung (noch) nicht mit Titza eine akzeptable Lösung erarbeitet.

Derzeit gibt es keine Schiffsverbindung vom Pier am Ende der Schlucht nach Los Gigantes. 

Das liegt daran, dass es noch keine Genehmigung seitens der Servicios Provencal de Costa gibt. Geplant ist, dass man zukünftig sowohl nach Los Gigantes als auch nach Punta del Teno fahren kann. Dazu muss diese Anlegestelle um – bzw. ausgebaut werden. Mal abwarten, wie lange das dauern wird. 

Die Inselverwaltung beziffert die Ausgaben mit mehr als eine Million Euro für die Sanierung des Weges, Installation von Beschilderung, Neugestaltung des Besucherzentrums sowie die Erstellung eines Reservierungssystems über das Internet. Die Einnahmen sollen der dauerhaften Unterhalts der Schlucht dienen. Mit Umsetzung des neuen Konzeptes gibt es nun 8 dauerhafte Arbeitsplätze.

Ich habe auf manchen Internetseiten recht reißerische Beschreibungen gelesen. Ich finde dies übertrieben. 

Wer mit Alpenwanderungen vertraut und körperlich fit ist, wird nicht überfordert. Wenn man die Messung des Schwierigkeitsgrades anhand des schweizerischen Alpenclubs vornimmt, sprechen wir von einer anspruchsvollen Bergwanderung auf Niveau T2. Das bedeutet: Wanderungen auf schmalen, wurzeligen und steinigen Steigen. Dabei kann die Route über beachtlich steiles Terrain verlaufen. Es gibt abschüssige sowie ausgesetzte Abschnitte, die jedoch sehr kurz sind und unter Umständen mit einem Drahtseil entschärft wurden. Dank durchgehender Beschilderung sowie Wegmarkierung ist die Wanderung ohne Orientierungsprobleme möglich. Stabile Wanderschuhe werden empfohlen.

Meine persönliche Erfahrung mit dem Weg: Bergab läuft es gut. Anstrengend ist in der Tat der Aufstieg insbesondere das allerletzte Stück, wo die fiesen Treppen im letzten Abschnitt die Muskeln im Oberschenkel quälen. Am Abend hab ich die gespürt. Nach erfolgreichem Abstieg kann man sich mit einem Bad im Meer belohnen. Offiziell ist es laut der Besucherinformation verboten, wird aber geduldet. Auch hier soll es wohl noch neue Regelungen und Sicherheitsmaßnahmen geben.

Wie auch auf anderen Wanderungen auf Teneriffa sollte man gutes Schuhwerk mit festen Sohlen tragen, weil die Steine sehr scharf sind und man auch mal stolpert. Es ist unangenehm, wenn man sich deswegen gleicht verletzt. Unterschätzt werden andere landestypische Faktoren wie zum Beispiel die starke Sonneneinstrahlung. Wir befinden uns immer auf dem Breitengrad der Sahara! Sonnenschutz und Kopfbedeckung sind deshalb angesagt. Und auf jeden Fall genügend Trinkwasser mitnehmen, denn es gibt leider keine Almhütte auf dem Weg.


Das es trotz aller der neuen Sicherheitsmaßnahmen zu Zwischenfällen mit Verletzungen oder Erschöpfungen kommen kann, zeigt ein Bericht der lokalen Zeitung El Dia vom 11.4.2021, also genau einem Tag nach unserer Wanderung. Gleich 2 Personen mussten gerettet werden. Eine Frau kam in den zweifelhaften Genuss eines Helikopterflugs, der bestimmt teuer sein wird und die andere wurde mit einem Schiff abtransportiert. Die Rettung per Helikopter kann man sich in einem kurzen Video auf der Seite von El Dia ansehen.

Masca Schlucht Bildergalerie

Videobeitrag Masca Schlucht 2021

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