Marsch in den Himmel – so geht’s zum Pico del Teide

Stets über den Wolken: wer zum Pico del Teide aufsteigt ist dem Himmel ganz nahe

Der Sendero 7 führt von der Montaña Blanca auf 8,9 Km zum Mirador de la Fortaleza am Pico del Teide. Auf 3.560 Meter Höhe genießt man spektakuläre Aussichten. Der Weg ist wegen der großen Höhe eine physische Herausforderung. 

Wie so oft hat alles länger gedauert als gedacht. Die Anfahrt von La Matanza bis hinauf in den Nationalpark del Teide beansprucht mehr Zeit als gedacht. Als Pierre und ich ankamen, waren die wenigen Parkplätze direkt am Wegesrand der TF 21 bereits belegt. Wir mussten also bis zum Mirador El Tabonal Negro ca. 700 Meter weiter fahren und hatten Glück, dort noch einen Parkplatz zu finden. 

Wir starteten deshalb erst gegen 11:00. Unser Ziel war es, dem Sendero 7 Montaña Blanca zu folgen, der von 2.350 m bis hinauf zum Mirador de la Fortaleza auf 3.560 m führt. Die Strecke ist etwa 8,9 km lang und überwindet dabei rund 1.200 Höhenmeter. 

Eigentlich wollten wir uns den Sonnenuntergang vom Pico del Teide aus ansehen. Laut offiziellen Regularien benötigt man für die letzte Strecke bis hinauf zum Pico del Teide eine Genehmigung, weshalb wir, um dies vorweg zu nehmen, auch nur bis dahin aufgestiegen sind. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen, um sowohl Sonnenaufgang als auch Sonnenuntergang von ganz oben aus zu erleben. Nach unserer Probe wissen wir auch, wie es geht. Nun zur Wanderung.

Der erste Abschnitt ist unspektakulär und führt über einen Fahrweg ca. 4,9 km durch helles Bimsgestein bis zum Beginn eines Pfades, der sich an der Südostflanke des Teides hinauf windet. Gleich zu Beginn wehte ein äußerst unangenehmer Wind, der die erträgliche Temperatur von ca. 12 Grad mit einem chill Faktor empfindlich absenkte. Ich konnte all die Wanderer nicht verstehen, die noch immer nur im T-Shirt herumliefen. Ich zog mir meine Fleecejacke und eine leichte Daunenjacke an, um mich nicht zu unterkühlen.

Und das ist mein erster Rat an alle, die sich aufmachen, um auf diese große Höhe zu steigen. Unterschätzt nicht den Wind und die damit einhergehend kalte Temperatur. Gute Ausrüstung ist ein Muss, keine Option. Wir haben später mehrere Touristen gesehen, die mit unzureichender Bekleidung, schlabbrigen Schuhen (Hauptsache ein Markenschuh!) und zu wenig Wasser und Essen dabei hatten. Einem englischen Paar haben wir Wasser und Essen gegeben, da die Frau bereits dehydriert war und Schwindelgefühle auf 3.000 Meter bekam.  

Nach ungefähr 2 Kilometern auf dem Fahrweg begegnet man den im Volksmund mit „Huevos del Teide” (Eier des Teide) bezeichneten, schwarzen Lavakugeln, die wild am Hang verstreut liegen. Sieht aus wie bei einem Boule Spiel von Riesen. Dabei handelt es sich um Lava, die beim Herabrollen bereits kalt war und über noch flüssiges Lava lief, um sich dabei ähnlich wie bei einem Schneeball zu einer Kugel aufzurollen.

Ein großer Lavastein von mehreren Metern Durchmesser liegt auf dem Boden. Im Hintergrund Wolken und blauer Himmel.
Un huevo roto - Ein zerbrochenes Ei des Teide.
Wegweiser mit Angaben zur Wegstrecke an der Montana Blanca
Hier geht runter zum Strand El Socorro

An dieser Stelle trifft der Sendero 7 auf den PR-TF 41, der hinab zur Playa del Socorro führt. Eine besondere Herausforderung ist es, diesen Weg vom Strand aus zu begehen. Wer sich zu den “Harten” zählt, kann sich an einem Wettbewerb beteiligen, um die 55,6 km hinauf – und wieder hinab im Eilschritt zu bewältigen. Den Rekord (2020) hält derzeit der Spanier Pau Capell, der es in unglaublichen 6 Stunden 13 Minuten und 13 Sekunden geschafft hat! Wahnsinn! Wie geht das?

Ein sehr sportlicher Mann mit Gehstöcken rennt den Pico del Teide hinauf
Pau Capell accediendo al tramo final de la Ruta 040 entre la Playa del Socorro y la cima del Teide a (3.718 m). (Copyrigh/ Roger Salanova)

Wen es interessiert, lese hier den Bericht über den Lauf und schaue das Video, das dort verlinkt ist. 

Wir haben es deutlich langsamer angehen lassen und uns an den tollen Aussichten erfreut, die mit jedem weiteren Höhenmeter beeindruckender wurden. Zum ersten Mal habe ich in die Caldera del Teide von solch großer Höhe geblickt und dabei eine Vorstellung über die Ausmaße bekommen. Was für eine Dimension dieser Krater hat. Dazu ein Farbenspiel von sandfarben, grau, schwarz, braun und rot in allen Schattierungen. Über der Landschaft breitet sich ein tiefblauer Himmel aus. Am Firmament die intensiv strahlende Sonne, die auch jenseits der 3.000 Meter noch angenehm wärmt. Sonnencreme nicht vergessen!

 

 

A propos Höhe. Ab 3.000 Meter habe ich dünnere Luft gespürt, bzw. Sauerstoffmangel empfunden. Das heißt, meine Lunge lechzte nach mehr Sauerstoff und der Herzschlag beschleunigte sich. Ob ich wollte oder nicht, ich musste von nun an öfters anhalten, um mehr Sauerstoff in die Blutbahn zu pumpen. Es ist einfach ein krasser Wechsel, wenn man am Morgen von Meereshöhe aus nach wenigen Stunden auf über 3000 Metern steht. 

Der Weg selbst ist technisch gesehen keine Herausforderung für alle, die regelmäßig alpin wandern und schwindelfrei sind. Es gibt keine größeren gefährlichen Abschnitte, wo man sich einem Sturz aus der Höhe aussetzen würde. Der Pfad führt mit leichter Neigung zum Berg hin und ist nirgendwo einer Klippe ausgesetzt. Deshalb kann man die Aussichten auf der ganzen Strecke genießen  

Blick von der Flanke des Pico del Teide auf die Montana Blanca
Blick auf die Montana Blanca und Caldera

Wie hoch liegt das Refugio de Altavista am Teide?

Auf 3.260 m gelangt man zum Refugio de Altavista, das seit der Pandemie offiziell noch immer geschlossen ist und weshalb man keine Übernachtung buchen kann (Stand 18. November 2022). Ich frage mich, weshalb? Ein Hinweis: Das Nebengebäude mit mehreren Stockbetten war geöffnet. Eine Chance für Abenteurer oder all diejenigen, die es doch nicht mehr hinunter schaffen.

Das Refugio Altavista am Pico del Teide
Refugio Altavista

Bis zum Wegpunkt, der zu Las Rambletas und auf den Pfad hin zum Mirador de la Fortaleza trifft, fehlen noch 300 Höhenmeter. Diese führen nun durch ein Lavafeld, in das hinein ein Pfad gehauen wurde. Dieser Abschnitt ist mühsam. Es sind etliche Steinbrocken zu überwinden und bei jedem Schritt wird man an die Höhe erinnert, auf der man sich nun befindet. Immerhin haben wir die Zugspitze längst hinter uns gelassen! Dass man nun gleich oben ist, erkennt man zunächst an den T-Shirt bekleideten Touristen, die frisch, fromm, fröhlich, frei aus der Seilbahn gestiegen sind und in der typischen Sommer Bekleidung herumschlappen. Ich fühle mich stolz, dass ich ohne technische Hilfsmittel bis hierher gekommen bin.

Las Rambletas und der Mirador de la Fortaleza

Und dann war es geschafft! Gegen 16:00 sind wir oben auf Las Rambletas angekommen. Noch ein paar Meter Spaziergang gen Nordost und wir stehen am Mirador de la Fortaleza. Der Name La Fortaleza bezeichnet das Gebiet oberhalb der Pinienwälder über 2.000 Meter Höhe.

Weit über den Wolken. Über uns nur noch der Pico und endlos blauer Himmel. Welch ein grandioser Ausblick über das Orotavatal, den Esperanza Wald, Puerto de la Cruz, den Ozean und auf der östlichen Seite das an weiße Zähne erinnernde Observatorio del Teide, das auf 2.390 m bereits weit unter uns liegt. Über den Wolken zu stehen ist für mich ein ganz besonderer Eindruck. Was man normalerweise nur im Flugzeug schafft, hat man sich selbst erstiegen. Hoch hinaus über die Wolken.  

Vom Mirador de la Fortaleza hinab zur Montana Blanca

Die Sonne stand nun schon tief und machte sich daran, hinter der Westflanke des Teide zu verschwinden. Im Halbschatten sinkt die Temperatur bereits deutlich spürbar. Gerne wären wir die läppischen, verbleibenden 150 Höhenmeter hinaufgestiegen. Aber wir wollten keinen Ärger mit Parkwächtern eingehen, obwohl wir keine gesehen hatten. Bekanntermaßen ist aufgeschoben nicht aufgehoben, weshalb wir wiederkommen werden und dann hält uns nichts zurück. 

Den Berg hinab zu steigen ist immer unangenehmer als hinauf. Das Körpergewicht und der Rucksack belasten und die Knie müssen sich beugen. Das Stück zwischen Las Rambletas und dem Refugio Altavista ist mühsam, man stolpert schnell. 

Dennoch: Auf dem Abstieg blickt man ständig in die Caldera, die sich aufgrund des Abendlichts in magischen Farben darbietet. Ein breites Spektrum von Brauntönen zeichnet eine plastische Landschaft, die die Krümmungen und Wölbungen der Lava Kruste, die kleinen Vulkankegel und schwarzen Lavafelder deutlich hervorhebt. 

Schritt für Schritt geht es nun rasch hinab. Am Fahrweg angelangt wünschen wir uns, wir wären schon zurück im Warmen, denn nun bläst uns der Wind wieder um die Ohren. Die kurzen Hosen würden wir gern gegen lange tauschen, denn die Temperatur beträgt nun nur noch 4 Grad. Ich habe zum Glück meine Mütze und dünne Laufhandschuhe dabei, die etwas schützen. Es bleiben noch 4,9 km bis zur TF 21 plus die Strecke auf der Straße bis zum Auto in Dunkelheit. Wir ziehen unseren Schritt an und denken an ein warmes Bad, einen heißen Tee und gemütliche warme Kleider.

Ein magischer Moment: Der Schatten des Teide

Als wir zum Horizont in nordöstlicher Richtung blicken, trauen wir unseren Augen nicht. Am Horizont zeichnet sich über den Wolken der Schatten des Teide ab. Die Sonne wirft sein verblassendes Licht auf den Vulkan und wirft dabei einen überdimensionalen Schatten viele Kilometer weit hinaus auf den Atlantik. Was für ein Anblick! 

Nach rund 3 Stunden sind wir wieder an der Straße angekommen. Wir blicken nach oben. Über uns breitet sich ein blau-violetter Nachthimmel. Grandios! Am Horizont zeigt sich hinter der schwarzen Silhouette der Felsen ein lichtes Rot der untergegangenen Sonne. Gleich werden die Sterne sichtbar.  

Diese Wanderung empfehle ich jedem, der physisch dazu in der Lage ist. 

Ich habe  eine Slideshow erstellt, die noch mehr Eindrücke vermittelt. Wenn euch mein Beitrag gefällt, schaut mal auf meinen YouTube Kanal. Dort gibt es noch mehr Videos zu Wanderungen und interessante Berichte über Menschen und besondere Ereignisse auf Teneriffa. Schaut mal rein. Ein Video zu dieser Wanderung  wird noch folgen.  

Wegbeschreibung Sendero 7 Montana Blanca - Pico del Teide

Ausgangspunkt: Montaña Blanca (Parkplatz TF-21)

Endpunkt: Mirador de La Fortaleza

Schwierigkeitsgrad: technisch einfach, hohe physische Belastung

Dauer: ca. 4:30 h / 8,9 km

Höhenunterschiede: ca.1.183 m Aufstieg und das gleichewieder hinunter!

Anschlusswege: 41, 6, 11, 2, 27

Der Schatten des Teide zeigt sich über den Wolken und dem Meer
Aufnahme um 18 auf ca. 2.400 Metern Höhe

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